Judentum. Ein Projekt für mehr Toleranz in unserer Stadt.

von Susanne Altmann

Auf die Frage, was den Kindern der 6. Klasse im Religionsunterricht zum Judentum einfiele, kamen ein paar zögerliche Antworten: Moschee, Hitler, 2. Weltkrieg, die haben lange Nasen. Holocaust und rassistische Klischees wurden benannt, gepaart mit viel Unwissenheit und keinem Kontakt zu Juden und Jüdinnen. Bilder und Material aus Religionsbüchern, auf denen alte Männer mit Bart, komischen Locken und Hüten zu sehen sind, in einem Land, das eindeutig nicht Deutschland ist, verschärfen diese „Fremdheit“ mit dem Judentum. Juden und Jüdinnen sind etwas sehr Exotisches, die es nach ihrer Auffassung heute in Deutschland nicht mehr gibt.

Genau diese Meinungen über das Judentum von Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen animierten die Beteiligten das Projekt „Happy Hippie Jew Bus“ zu starten.

Anna Adam (Pädagogin, Künstlerin) und Jelda Reblin (jüdische Kantorin, Sängerin und Schauspielerin) machen Menschen in ganz Deutschland mit dem Judentum bekannt. Ein bunt angemalter VW-Bus, ausgestattet mit Regalen, Schränken und Fächern mit viel buntem und anschaulichen Materialien zum Judentum, erregt Aufmerksamkeit und lädt zum Entdecken ein. Anna Adam beschreibt diesen Bus als eine Art Kunstwerk, dass neugierig machen soll und auch irritieren darf. Ein Budda sitzt dort neben einem Thoraschrank mit einer Kuschelthora. Die Schüler und Schülerinnen können verschiedene Gegenstände entdecken und bekommen auf kreative Weise Informationen über jüdische Riten und jüdisches Leben. Dabei ist den Frauen wichtig, locker und unbeschwert ins Gespräch zu kommen. Allzu oft haben sie die Erfahrung gemacht, dass über Judentum entweder mit einer starken Betroffenheit und Schuldgefühlen oder mit antisemitischen Einstellungen gesprochen wird. Sie wollen durch Aufklärung und Kontakt Klischees gemeinsam mit den Kindern entlarven und ein lebendiges, lebensfrohes Judentum altersgerecht vermitteln.

Am 17. und 18. Mai 2018 fand das Projekt dazu an der Waldschule mit Kindern der 5. und 6. Klasse statt. Im „Happy Hippie Jew Bus“ lernten sie die Religion kennen. Die Kinder gingen auf eine Entdeckungsreise und erfuhren Hintergründe zu den einzelnen Bestandteilen des Busses. Sie durften eine Tora ansehen, einen Pessachteller anfassen oder bestaunten den siebenarmigen Chanukkia-Leuchter, Kippa und Schofar. Es galt, dass Judentum praktisch zu erleben. In einer Gruppenarbeit informierten sich die Schüler*innen darüber, was es heißt, koscher zu kochen und zu essen. Im 2. Teil des Projektes bereiteten die Schüler*innen selber jüdische Gerichte, wie Matzebrot, Apfelmus, Charosset zu. Anschließend wurde dann gemeinsam gegessen.

Finanziert wurde das Projekt durch die Koordinierungsstelle „Tolerantes Brandenburg“, die MBS, Teilnehmerbeiträge und durch den Förderverein der Waldschule.

 

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